Härtetest für die Demokratie

Wintersession 2009: 3. Woche

Der Abstimmungssonntag fiel diesmal mitten in die Wintersession und bestimmte sie fast bis zum Ende. Zuerst die Anspannung – dann der Schock. Für einen Moment lang war es schwierig, das Abstimmungsresultat über die Anti-Minarett-Initiative zu begreifen, doch es war sehr schnell klar, dass dieses Resultat der Auftakt zu harter Arbeit ist. Das Volk zeigte uns deutlich, dass wir in der Ausländerpolitik noch mehr Arbeit leisten müssen.

Kühlen Kopf bewahren und nicht noch stärker reagieren als die Betroffenen, dieses Credo ergab sich in der zweiten Sessionswoche. Man muss auch ein negatives Resultat aushalten können, das gehört zu unserer Demokratieform und ist ein Härtetest. Schliesslich gab es noch sehr viel anderes zu tun, als sich ausschliesslich mit diesem Abstimmungsresultat zu beschäftigen.

Einreichung zu Einführung der Gesetzes-Initiative
Zur Stärkung der Volksrechte habe ich eine Parlamentarische Initiative eingereicht. Sie fordert die Einführung der Gesetzes-Initiative. Die Bundesverfassung ist unsere Hausordnung, hier regeln wir das Zusammenleben in unserem aus der liberalen Bewegung heraus entstandenen Staat. Initiativen können nur die Verfassung ändern. Als Ergänzung der bestehenden Volksrechte und zum Finanzreferendumsrecht empfiehlt sich das Gesetzesinitiativrecht. Die Stimmberechtigten können mit diesem Instrument ihre Revisionsvorschläge präziser, nämlich im Gesetz, platzieren. Die Verfassung sollte für uns Schweizerinnen und Schweizer eine zu ernste Sache sein, als dass einzig die Möglichkeit zu ihrer aktiven Mitgestaltung möglich sein darf. Überspitzt formuliert verkommt die Verfassung zum Jekami durchgesetzter Ideen, die auf Gesetzstufe eher ihren berechtigten Platz hätten.

Vorstösse zur Integration von Ausländerinnen und Ausländern
Wie bereits gesagt, geht die harte Arbeit zum Thema Ausländerpolitik nun in höherem Tempo weiter. Im Nachgang zur Anti-Minarett-Abstimmung beschloss das Parlament, im Frühling eine Sondersession zum Thema Integration abzuhalten. Das bedeutet: Vorstösse jetzt einreichen, damit sie im Frühling behandelt und diskutiert werden können. Meine Vorstösse wollen die Integrationspolitik stärken, indem sie präziser definiert und verbindlich wird. Die Integrationsmassnahmen werden in den Kantonen zu unterschiedlich gehandhabt, die Kantone müssen in ihren Möglichkeiten deshalb gestärkt werden.

Interviews zum Schwyzer Kinderparlament
Ausserhalb des Parlamentsbetriebes kamen in der letzten Sessionswoche Kinderparlamentarierinnen und –parlamentarier der Stadt Bern zu Besuch. Ich wurde eingeladen mit ihnen zu diskutieren, da sie mich als OK-Präsident des Schwyzer Kinderparlamentes kennenlernen wollten. Das lokale Medieninteresse war sehr hoch, am Ende interviewte mich noch mit TeleBärn über unser Schwyzer Kipa. Die Diskussionen mit den engagierten Kindern sind immer wieder eine gute Sache: Sie zeigen mir, worauf es bei unserer parlamentarischen Arbeit in Bern ankommt, und für wen wir die Arbeit leisten.

Alpenschutz: Volksentscheid umsetzen
Eine absolut unverständliche Abstimmung zum Schluss der Session: Die Alpenkonvention wurde von der bürgerlichen Ratsseite abgelehnt. Die Alpenkonvention ist ein Abkommen der acht Alpenländer und der EU, das eine nachhaltige Entwicklung gewährleisten und die Praxis der Länder koordinieren soll. Mit dieser Konvention würde umgesetzt, was das Volk mit der Annahme der Alpeninitiative und der Annahme des Alpenschutzartikels in der Bundesverfassung vor 15 Jahren unterstützt hat. Konkret hiesse das: Wie verhindern wir die 60-Tönner Lastwagen auf unseren Strassen? Im Nein-Lager mit dabei sind einmal mehr die beiden Schwyzer SVP-Nationalräte. Wer vertritt hier eigentlich den Volksentscheid? Die Luft wird in der Verkehrspolitik wird auch für den Kanton Schwyz langsam knapp – Zeit, sich noch stärker darum zu kümmern.

Andy Tschümperlin

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