Geht es Ihnen auch manchmal so: Sie sitzen an einem Tisch, alle sprechen wild drauflos – Sie mitten drin, links ein Gespräch über Roger Federer, rechts ein Gespräch über die Fettnäpfchen unseres Bundes- präsidenten. Ich frage mich in solchen Momenten: Wer hört eigentlich bei den vielen durcheinandergeratenen Gesprächen zu?
Es gibt aber auch die Gespräche, bei denen sich die
Gesprächsteil- nehmenden Mühe geben, dem anderen
zuzuhören. Trotzdem merken Sie nach einigem Austauschen von
Gedanken, dass das Gegenüber nicht gewillt ist, auf die eigenen
formulierten Gedanken einzugehen. Vielmehr erhält man das
Gefühl, dass versucht wird, die anderen
Gesprächsteilnehmenden von den eingegebenen Gedankenwegzuführen.
Zuhören können und wollen ist eine Fähigkeit, die für ein Gespräch
ebenso wichtig ist wie sprechen und argumentieren. Zugegeben – in einer
Arena-Sendung ist diese Fähigkeit nicht unbedingt die geforderte.
Aber gottlob findet das Leben nicht in der Arena statt. Es gibt ja im
Alltag genug Möglichkeiten, mit Menschen Gespräche zu
führen, sei es auf dem Wochenmarkt beim Unterschriftensammeln,
bei der Arbeit, im Zug.
In solchen Gesprächen erfahre ich, was Menschen bewegt. Ich bin
mir natürlich bewusst – es sprechen mich vor allem Menschen an,
die meine Ansichten teilen – oder die gewillt sind, in einem Dialog
Ansichten auszutauschen. Es gibt ja auch solche, die anonym ihre
Meinung kundtun oder vor lauter Leserbriefschreiben nicht merken, dass
Gespräche anders funktionieren.
Im letzten Jahr gab es einige Momente, da habe ich genau hingehört.
Im Kinderparlament zum Beispiel konnten wir mit 60 Kindern über
die neue Verfassung diskutieren. Einmal mehr habe ich gestaunt, welche
Gedanken sich Kinder über die Grundwerte der Verfassung machen
können. Ich bin überzeugt davon, dass wir Erwachsenen uns
immer wieder Mühe geben müssen, den Kindern zuzuhören.
Bei den Bundesratswahlen meine ich auch, sehr genau hingehört zu
haben. Laut wurde verkündet, wer der richtige Kandidat für dieses
schwierige Amt sei. Die leisen Töne waren aber die ausschlaggeben-
den. Hier hat das Parlament bewiesen, dass es bei Bundesratswahlen
genau auf diese Töne eingehen kann.
Oder bei den Energievorlagen: Das Schwyzer Volk hat das Energie-
Gesetz angenommen und die Energie-Initiative nur knapp verworfen.
Ein Erfolg, den ich nicht als selbstverständlich erachte. Doch die
Bevölkerung hat damit gesagt, dass ihr das Thema Umwelt nicht egal
ist.
Ich bin überzeugt davon, dass es uns allen gut ansteht, die Zeit aufzubringen, den Mitmenschen zuzuhören. Zuhören bereichert. Ich
wünsche allen ein gutes neues Jahr. Hören wir einander zu – der
Dialog lebt davon.