Mitten in der reichen Schweiz kämpft eine Mutter mit zwei kleinen Kindern täglich ums überleben. Mit einem Teilzeitjob als Putzfrau hat sie rund 3000 Franken Einkommen aus Lohn, Alimenten und Sozialhilfe – das Geld reicht nicht aus. Nach Abzug der Miete für die Wohnung, der Versicherungen und der anfallenden Rechnungen bleiben ihr rund 700 Franken für Kleidung, Essen und alles andere, was bei zwei Kindern so anfällt. Sie wählt den Weg in die öffentlichkeit und beschreibt mutig ihre Lebenssituation in einer Tageszeitung. Laut Caritas ist die Mutter mit einem Walliser Namen eine von 900 000 armen Menschen in der Schweiz. Wenn diese Zahlen richtig sind, dann ist jede achte Person in unserem Land arm. Ganz sicher gibt es auch bei uns im Kanton Schwyz Familien, die täglich ums überleben kämpfen.
Die Parteien, die immer das Wort der «Eigenverantwortung» reden, kommen hier wie in einem falschen Film daher. Die Parteien aus dem Kanton Schwyz haben für die nationalen Wahlen im letzten Herbst noch nie so viel Geld ausgegeben. Für einmal war es vermutlich nicht die SVP, die in unserem Kanton am meisten geklotzt hat: Die FDP butterte rund eine Million Franken für den einen gewonnenen Sitz im Nationalrat in den Wahlkampf. Dass die rechtsbürgerlichen Parteien, die über horrende Mittel zur Finanzierung von Wahlen und Abstimmungen verfügen, sich dann mit Vehemenz gegen die Familienergänzungsleistung aussprachen, gibt der Tatsache, dass auch im Kanton Schwyz arme Familien ums überleben kämpfen, einen besonders bitteren Nachgeschmack. Und dass ausgerechnet diese Parteien kein Interesse haben, hier Transparenz zu schaffen, kann nur damit erklärt werden, dass nicht mehr für die Anliegen des Volkes politisiert wird, sondern für die eigene elitäre Klientel. Denn ebendiese finanziert ja schliesslich diese unglaublichen Wahl- und Abstimmungsbudgets.
Es braucht aber nicht nur Transparenz bei der Finanzierung der politischen Parteien in der Politik, sondern vielmehr ist Vertrauen gefragt. Wie aber stellt man Vertrauen her?
Die Wirren um den sogenannten «Schwyzer Justizstreit» zeigen deutlich auf, dass es nicht vertrauensbildend ist, wenn versucht wird, kritischen Fragen auszuweichen oder etwas unter dem Deckel zu behalten. Kritische Fragen sind für das funktionieren unserer freien Demokratie wichtig, und die politische Debatte braucht Frauen und Männer, die hinstehen und diese stellen. Und um diese Debatte sicherzustellen, ist ein kritischer Journalismus notwendig. Journalistinnen und Journalisten in Fernsehen, Radio und Zeitungen tragen den gesellschaftlich notwendigen Diskurs in die öffentlichkeit. Sie müssen freien Zugang zu den Informationsquellen haben, und sie sind verpflichtet, die Wahrheit ohne Rücksicht auf die sich daraus ergebenden Folgen der öffentlichkeit darzustellen. Auch hier lautet das Stichwort Transparenz.
Vertrauen ist auch Verantwortung. Verantwortung kann nicht delegiert werden.Wir alle sind aufgefordert, gegenüber unseren Mitmenschen Verantwortung zu übernehmen. Zu dieser Verantwortung gehört auch, dass auf Missstände aufmerksam gemacht wird.Wer zu lange schweigt und die Augen vor Unzulänglichkeiten – auch und gerade in den Bereichen der öffentlichen Verwaltung und der Gerichte – schliesst, macht sich irgendwann mitschuldig daran. Dass für die Aufdeckung solcher «Geschichten » manchmal der Weg über dieöffentlichkeit, die Presse führt, gehört eben zum Funktionieren unserer Demokratie. Schliesslich werden gerade diese Stellen mit unseren Steuergeldern bezahlt, weshalb wir Bürgerinnen und Bürger auch das Recht haben, zu erfahren, wenn einmal etwas schiefläuft. Man kann schliesslich daraus auch Lehren ziehen – das ist wohl der tiefe Sinn dieser Sache. Auch das ist aber nur mit Transparenz möglich.
Am 11. März stellen sich über 300 Kandidatinnen und Kandidaten für die Kantonsratswahlen zur Verfügung. Eine Frau und acht Männer möchten in die Regierung. Einige Wochen später folgen dann die Gemeinderatswahlen. Diese Kandidatinnen und Kanditen sind bereit, öffentlich hinzustehen und Verantwortung zu übernehmen. Ihnen gehört Respekt. Sie als Stimmbürgerin oder Stimmbürger haben es mit Ihrem Stimmzettel in der Hand, welche Politik Sie unterstützen: die Politik der Transparenz und der Verantwortung oder die Politik der teuren Wahlkampagnen und undurchsichtigen Wege. Gehen Sie wählen – das ist Ihre Verantwortung.