Ein Schwyzer Nationalratssitzen gehört den Arbeitnehmenden

Interview von den Obersee Nachrichten 15. September 2011 durch Verena Schoder

Die SP vertritt im Kanton Schwyz klar die Interessen der unteren Einkommen, der Familien und des Mittelstandes. Andy Tschümperlin (49), Vizepräsident SPS und Nationalrat, ist überzeugt, dass der eine von sechs Schwyzer Nationalratssitzen den Arbeitnehmenden gehört.

Obersee Nachrichten: Für Sie geht es bei den Herbstwahlen um viel: Als SP-Nationalrat müssen Sie im Kanton Schwyz Ihren Sitz verteidigen,als Vizepräsident der Bundeshausfraktion die Nachfolge von Micheline Calmy-Rey. Ist ruhig schlafen noch angesagt?
Andy Tschümperlin:
Meistens schlafe ich sehr gut, danke für die Nachfrage. Zu wenig Schlaf habe ich dann, wenn mich die Arbeit bereits sehr früh am Morgen aus dem Bett treibt. Ich bin ein Frühaufsteher und arbeite am frühen Morgen sehr effizient. Die Nachfolge von Micheline Calmy-Rey ist tatsächlich eine grosse Herausforderung für unsere Partei, weil unser Kandidat – ich schreibe bewusst in männlicher Form – als letzter zur Wahl antreten muss. Zu den Nationalratswahlen: Es geht weniger um meinen Sitz, es geht um unseren Sitz. Meine Kolleginnen und Kollegen auf den verbundenen Listen arbeiten mit vollem Einsatz für den Sitz für die Arbeitnehmenden. Am Schluss entscheidet das Volk, wir aber kämpfen um jede Stimme.

Rund 3500 Personen kandidieren für den Nationalrat, allein im Kanton Schwyz sind es 64. Von welcherSeite droht Ihnen am meisten Gefahr?
Andy Tschümperlin:
Unser Sitz wird von der FDP offen angegriffen. Ich bin aber überzeugt, dass von sechs mindestens dieser Nationalratssitz den Arbeitnehmenden gehört. Wir vertreten den grossen Teil der Bevölkerung, wir setzen uns ein für existenzsichernde Löhne und für gute Arbeitsbedingungen. Gemäss unserem Slogan: Wir sind für alle – statt für wenige.

Die vielen Kandidaten schaffen überdruss bei den Wählern. Statt Wahllisten könne man ja gleich das Telefonbuch verschicken, schimpft René Zehnder von der Staatskanzlei. Muss die Schwelle für Kandidaturen erhöht werden?
Andy Tschümperlin:
Das sehe ich überhaupt nicht so. Es ist doch gut, wenn sich die Bürgerinnen und Bürger unseres Kantons engagieren. Viele dieser Kandidatinnen und Kandidaten stehen nach den nationalen Wahlen im Kanton oder in der Gemeinde für die Politik zur Verfügung. Unsere direkte Demokratie funktioniert nur über das Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger.

Was muss ein Kandidat tun, um unglaubwürdig zu sein?
Andy Tschümperlin:
Ich sage lieber, was ein Kandidat tun muss, um glaubwürdig zu sein. Das Wichtigste ist, dass ein Kandidat seine politische Ueberzeugung leben muss. Wichtig ist auch, dass er seine politische Position nicht ständig ändert. Die Wählerinnen und Wähler wollen wissen, wen sie wählen – auch solche mit Ecken und Kanten. In unserem Kanton spielt die Persönlichkeit zudem eine wichtige Rolle.

Wie viel tun Sie, um wieder gewählt zu werden?
Andy Tschümperlin:
Was eben anfällt in einem Wahlkampf: Wahl - plakate kleistern, Plakate aufstellen, geschändete Plakate wieder flicken, Interviews geben, Texte schreiben, Facebook bewirtschaften, Standaktionen machen, Gespräche führen, Flyer verteilen und, und…

Muss man heute als Kandidat ein Medienliebling sein?
Andy Tschümperlin:
Medienarbeit gehört in der Politik dazu. Natürlich ist es einfacher, wenn die Medien gerne mit uns Politikern zusammenarbeiten. In Bern ist diese Arbeit einfacher, weil man Zeit und Raum hat, zwischen den Journalisten und den Politikern ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und so die politischen Positionen klarer formuliert werden können.

Mit welchen Trümpfen wollen Sie welche Wähler überzeugen? Die Linke hat im konservativen Schwyz wahrlich keinen leichten Stand.
Andy Tschümperlin:
Viele Wählerinnen und Wähler anerkennen, dass die SP die Partei der Arbeitnehmenden, der Familien und der Energieversorgung ohne Atomstrom ist. Der Arbeitsfriede in unserem Land ist nur zu halten, wenn die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter auseinandergeht. Wir arbeiten daran, dass möglichst viele vom Erfolg unseres Landes profitieren können.

Sie sind für volle Transparenz bei Partei- und Politikerspenden. Wie steht es mit der Volksinitiative, die Sie zusammen mit einem Komitee lanciert haben?
Andy Tschümperlin:
Am nächsten Samstag gründen wir den Verein für die Volksinitiative. Wir müssen möglichst viele Mitglieder im Verein haben, damit wir die nötigen finanziellen Mittel haben, um die 100 000 Unterschriften zusammenzubringen.

Wie viel Geld haben Sie für den Wahlkampf zur Verfügung?
Andy Tschümperlin:
Die SP Kanton Schwyz investiert rund 100 000 Franken für den Wahlkampf. Diese Mittel werden durch Mandatssteuern der Mandatsträger und durch Spenden angespart, um im Wahljahr diese grossen Aufwendungen machen zu können. Daneben habe ich ein persönliches Komitee mit hoffentlich Spenden von zirka 10 000 Franken.

Kommen wir nochmals zum Rücktritt von Micheline Calmy-Rey. Die Vakanz verleiht der SP Auftrieb, die Chancen für Eveline Widmer-Schlumpf und die BDP sind jedoch merklich geschrumpft. Wie schwierig ist die Lage nun für die SP?
Andy Tschümperlin:
Der Rücktritt einer Bundesrätin löst immer ein grosses Medienecho aus. In der Vorwahlzeit können wir diese Publizität in den Medien nutzen, um unsere Kandidatinnen und Kandidaten zu präsentieren. Die Wahlen am 23. Oktober werden aber die Verteilung der Sitze im Bundesrat beeinflussen. Unser Ziel ist es darum, die zweitstärkste Partei zu bleiben – so können wir mit grosser Wahrscheinlichkeit unsere beiden Bundesratssitze sichern.

Die SP müsse jetzt Farbe bekennen, verlangt die SVP. Sie müsse die SVP mit dem Anspruch auf den zweiten Bundesratssitz unterstützen, ansonsten werde sie den SP Sitz angreifen. Befindet sich die SP in Geiselhaft der SVP?
Andy Tschümperlin:
Nein. Wir lassen uns nicht erpressen.

Herr Tschümperlin, was möchten Sie am Abend des 23. Oktobers sagen können?
Andy Tschümperlin:
Am Abend des 23. Oktobers möchte ich sagen können, dass wir alles Mögliche getan haben, um unseren Sitz im Nationalrat zu halten. Bis zum heutigen Tag sind wir auf Kurs, wir arbeiten hart. Ich würde sehr gerne eine weitere Legislatur in Bern machen, um weiterhin über die Parteigrenzen hinweg Lösungen zu suchen und Mehrheiten zu ermöglichen.

Was möchten Sie am 14. Dezember – am Tag der Erneuerungswahlen des Bundesrats in Bern – erleben?
Andy Tschümperlin:
Wenn mir der Erhalt des Nationalsratssitzes gelingt, dann werde ich mich für einen ausgewogenen Bundesrat einsetzen – mich überzeugt auch der Ausgleich in der Bundesregierung.

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