Mit Wille zur Nation

Nein zur Initiative und Ja zum Gegenvorschlag

Innovativ, demokratisch, stabil – dafür steht unsere Schweiz. Eine Schweiz, gebaut von Schweizerinnen, Schweizern und ja, gebaut auch von Ausländern. Denn in der Schweiz fanden gute Leute aus dem Ausland nicht nur Arbeit. Sie tüftelten, sprengten Eisenbahntunnels, erfanden die schönsten Uhren und gründeten den Bankenplatz Schweiz. Franzosen, Italiener, Protestanten, Deutsche und Engländer kamen in die liberale Schweiz, um hier zu bleiben und hier zu leben. Und unsere Vorfahren haben schon früh begriffen, dass sich für das Land nur einsetzt, wer auch zum Land gehört. So wurde gegen Entgelt ins Landrecht aufgenommen, wer wollte. Nur so lässt sich erklären, weshalb das Aostataler Geschlecht der Castell in die 1000jährige Oberallmeindkorporation in Schwyz aufgenommen wurde. Und damit neben den Gwerders, Schelberts und Föhns das Landrecht erhielt. Immigranten prägten die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes von Beginn weg. Daraus entstand der Wille des Zusammenlebens, der Wille zur Nation. Nur wer gemeinsam am gleichen Strick zieht, erreicht das Ziel des friedlichen Zusammenlebens. Nur wer zusammenhält, gewinnt Freiheit.

Hier setzt der Integrationsartikel an, der im direkten Gegenvorschlag zur Ausschaffungsinitiative formuliert ist: «Das Ziel der Integration ist der Zusammenhalt der einheimischen und der ausländischen Bevölkerung» heisst es neu in Absatz 1. Heute ist im Ausländergesetz lediglich vom Zusammenleben die Rede. Nichts Neues also? Weit gefehlt. Der Begriff des Zusammenhaltens geht viel weiter als der des Zusammenlebens. Denn Zusammenleben kann man aneinander vorbei, parallel, nur für sich, ohne die Kultur und die Sprache zu kennen. Zusammenhalt hingegen geht deutlich weiter. Zusammenhalt heisst, dass man sich gemeinsam für ein Ziel einsetzt, dass man gemeinsam an der Willensnation Schweiz weiterbaut. Und weiter findet sich im Absatz 6: Die Wirkung der Integrationsbemühungen sollen vom Bund überprüft werden. In der Verwaltungsführung, in der Wirtschaft, ja sogar in der Bildung wird die Wirkung evaluiert. Solche überprüfungen führen dazu, dass die Bemühungen wirksam kontrolliert und weiterentwickelt werden können. Die Integration ist die Bedingung, ohne die es nicht funktioniert in unserer Willensnation. Schreiben wir sie deshalb wirkungsvoll fest – so wirkungsvoll wie sich damals Tuchhändler Castell in unsere Gesellschaft eingebracht hat. Ich empfehle darum ein NEIN zur Initiative dafür ein JA zum Gegenvorschlag.

Andy Tschümperlin

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