Die Lebenserwartung steigt. Das wissen wir. Seit 2005 wird der Umwandlungssatz deshalb schrittweise von 7.2% auf 6.8% gesenkt, verteilt bis 2014. Auch wurde das Frauenalter von 62 auf 64 Jahre erhöht und die Mindestverzinsung der Pensionskassen bereits auf 2 % abgesenkt. Nun soll der Umwandlungssatz bereits weiter auf 6.4% gesenkt werden. Weshalb?
Die Kürzung wird von den Befürwortern damit begründet, dass die Renditen wegen der Finanzkrise zurückgegangen seien. Das mag für die letzten beiden Jahre stimmen. Doch seit 1985 beträgt die Anlage-Rendite im Schnitt 6.25% – seriös angelegtes Geld erzielt also über einen längeren Zeithorizont eine hohe Rendite. Wohin fliesst das Geld sonst noch, wenn nicht in die Renten? 737 Fr. pro Jahr und Versicherten verrechneten die Lebensversicherungen den aktiv Versicherten als Verwaltungskosten = 1.3 Milliarden Franken pro Jahr. Zum Vergleich: Die AHV arbeitet mit Verwaltungskosten von 29 Fr. pro Aktiven = 131 Mio. Franken/Jahr.
Die Sammel- oder Gemeinschaftsstiftungen führenden Lebensversicherungen kassieren Gewinnbeteiligungen aus den überschüssen, die auf den Kapitalien erzielt werden. Und zwar belaufen sich die Zuwendungen an die Aktionäre auf bis zu 10% vom UMSATZ – das kostet die Versicherten 400 bis 700 Mio. Fr. pro Jahr. Hinzu kommen hohe Gebühren bei Anlagefonds, Hedge-Fonds oder Aktien, die neu herausgegeben werden. Jeder Beteiligte streicht sich also zuerst auch noch seinen Anteil Butter aufs Brot, bevor er das Ankemödeli weiter reicht. Und die Rentner stehen zuletzt in der Reihe.
Bevor der Bundesrat also die Renten auf dem Buckel der kleinen und mittleren Einkommen ein zweites Mal kürzt, sollte er zuerst die Hausaufgaben machen und die Gewinne der Lebensversicherungen gesetzeskonform regulieren. Dort liegt echtes Sparpotenzial. Deshalb stimme ich am 7. März Nein zur nochmaligen Senkung des Umwandlungssatzes.
Andy Tschümperlin