Starke Schulen für gute Chancen

Andy Tschümperlin

Bild: Referat von Nationalrat Andy Tschümperlin, Vizepräsident der SP-Bundeshausfraktion (Rickenbach, SZ)

Für uns ist klar - Frühförderung und Schule gehören untrennbar zusammen. Denn nebst der Herkunft ist die Bildung der zentrale Ort, wo Chancen verteilt werden. Kleine Kinder sollen deshalb durch gute, bildungsnahe Angebote Zugang zu einem fördernden Umfeld erhalten.

In der Volksschule werden Grundrechte verwirklicht. Ja - der Zugang zur Volksschule selber ist ein Grundrecht. Die öffentliche Schule ist der zentrale Ort, wo sich Menschen aus allen sozialen und gesellschaftlichen Schichten begegnen. Das Zusammenleben in der Schule soll auf Anstand, Respekt und Toleranz beruhen. Um diese Zielsetzungen realisieren zu können, braucht es nebst Tagesschulen professionelle Schulleitungen, transparente Bildungsstandards und eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern.
Unsere drei wichtigsten Forderungen:

  • Der frühe Sprachunterricht ist nicht nur für fremdsprachige Kinder äusserst wichtig. Um eine gute Ausgangslage für den Spracherwerb zu schaffen, muss die Erstsprache gefördert werden. Alle Kinder sollen spätestens zwei Jahre nach Eintritt in die Eingangsstufe die Unterrichtssprache verstehen und sprechen.
  • Aus Gründen der Chancengleichheit sollen Kinder mit besonderen Bedürfnissen so weit als möglich in der Regelschule unterrichtet werden. Die individuellen Bedürfnisse aller Kinder müssen berücksichtigt werden. Durch den Einsatz von Fachpersonen werden die Lehrkräfte unterstützt.
  • Bildungsreformen müssen zusammen mit den Lehrkräften vorangetrieben werden. Bildungsreformen brauchen Zeit und genügend Ressourcen.

Eine moderne und soziale Familienpolitik
Für das gute Funktionieren der Gesellschaft spielt die Familie eine entscheidende Rolle, insbesondere in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht. In der Familie werden Werte von Generation zu Generation weitergegeben und Solidarität wird geübt. In unserem reichen Land stellen Kinder nach wie vor ein Armutsrisiko dar. Das darf nicht sein. Für die SP ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass kein Kind in Armut aufwachsen muss und kein Paar aus finanziellen oder organisatorischen Gründen auf Kinder verzichten muss. Wir alle sind mitverantwortlich für das Heranwachsen und die Entwicklung der Kinder.

  • Dank unseren Bemühungen im Bundesgesetz über die Familienzulagen sind seit Anfang 2009 finanzielle Verbesserungen für Familien mit Kindern in Kraft getreten. Auch die Verlängerung des eidgenössischen Impulsprogramms für familienergänzende Kinderbetreuung konnte in der laufenden Legislatur erreicht werden.
  • Um Familien mit bescheidenem Einkommen besser zu stellen, braucht es in Zukunft Ergänzungsleistungen. Die Einführung von Familienzulagen für Selbständige und die Befreiung der Krankenkassenprämien für Kinder und Jugendliche unter 25 Jahren sind weitere, von uns angetriebene, Schritte zu einer sozialen Familienpolitik.

Mehr soziale Sicherheit
Unsere soziale Sicherheit ist historisch gewachsen und es wurde durch politische Forderungen und Entwicklungen beeinflusst. Der Arbeitsmarkt ist in den letzten Jahrzehnten immer komplexer geworden, für Personen mit angeschlagener Gesundheit stehen immer weniger Arbeitsplätze zur Verfügung. Leistungsbezüger, insbesondere jene der IV und der Sozialhilfe werden als potentielle Profiteure gebrandmarkt. Die wiederholten Angriffe auf das System der sozialen Sicherheit zielen darauf ab, durch Reduktion von Leistungen das Versicherungsprinzip in Frage zu stellen. Für die SP hat die soziale Sicherheit und Gerechtigkeit sehr hohe Priorität.

  • In der laufenden Legislatur haben wir die Referendumsabstimmung zur Reduktion des Umwandlungssatzes im Bereich der beruflichen Vorsorge mit über 70% gewonnen.
  • In der nächsten Legislatur werden wir die Finanzierung der IV anpacken. Wir setzen uns dafür ein, dass eine ausgewogene Lösung mit mehr Einnahmen, aber auch Einsparungen erarbeitet werden kann. Für die Wirtschaft müssen Anreize geschaffen werden, damit sie ihrer Verantwortung nachkommt.
  • Für die Existenzsicherung braucht es ein eidgenössisches Rahmengesetz. Das System muss vereinfacht werden, die Leistungen von Bund, Kantonen und Gemeinden mit minimalen Standards harmonisiert werden.

Für eine zahlbare Gesundheitsversorgung in hoher Qualität
Der Zugang zu den Gesundheitsleistungen ist für alle Menschen in diesem Land auf hohem Niveau gewährleistet. Wer medizinische Hilfe oder Pflege braucht, bekommt sie unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten und ohne lange Wartezeiten. Um aber in der Gesundheitspolitik wirklich sparen zu können, ist eine öffentliche Krankenkasse eindeutig das richtige Mittel dafür. Es darf nicht sein, dass sich eine Vielzahl von Krankenkassen gegenseitig die jungen und gesunden Versicherten abjagen und Prämiengelder in Millionenhöhe für Marketingaktionen verpuffen.

  • Das Präventionsgesetz, das eine bessere Koordination zwischen Bund und Kantonen zum Ziel hat, ist auf gutem Weg.
  • Um eine sozialverträgliche Finanzierung der Krankenkassen zu erreichen, braucht es mehr Mittel in die Prämienverbilligung. Die Belastung eines Haushalts durch die Krankenkassenprämien soll die 8 Prozent-Hürde des steuerbaren Einkommens nicht überschreiten.
  • Das Gesundheitspersonal ist knapp - dagegen braucht es Strategien und Massnahmen. Für die Pflege braucht es Ausbildungsplätze und Anreize; und der Numerus Clausus für das Medizinstudium muss aufgehoben werden.

Abschluss für alle - kein Abschluss ohne Anschluss - Weiterbildung für alle
In der Schweiz leben zwischen 700‘000 und 900‘000 Menschen in Armut. Der Bundesrat nennt als eine der zentralen Massnahmen zu deren Bekämpfung die Verbesserung der Bildungs- und Umorientierungsmassnahmen für junge Leute und Arbeitslose. Seit Mitte der neunziger Jahre verharrt die Ausbildungsquote auf der Sekundarstufe II bei knapp 90%. Darum müssen sich Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt gemeinsam dafür einsetzen, den Jugendlichen eine Berufsbildung und somit den Einstieg in die Berufswelt zu ermöglichen.

  • 2006 haben die Stimmberechtigten Ja zum von der SP initiierten Bildungsartikel in der Verfassung gesagt. Für uns ist das eine Verpflichtung.
  • Bis spätestens 2015 sollen mindestens 95% der Jugendlichen einen beruflichen Abschluss erreichen.
  • Und schliesslich: Damit die obligatorische Schule, die Berufsbildung, tertiäre Bildungsgänge, die Weiterbildung und vieles mehr koordiniert und weiterentwickelt werden kann, braucht es ein einziges Departement, das sich voll und ganz diesem zentralen Bereich widmet.

Unis, ETH und Fachhochschulen: Für einen starken und koordinierten Bildungsraum Schweiz
Eine gute Bildungspolitik ist auch die beste Wirtschaftspolitik. Unsere Hochschulen sind gut positioniert und erbringen hervorragende Leistungen. Der ETH-Bereich spielt national wie international eine grosse Rolle. Die Fachhochschulen mit ihren Verbindungen zu kleinen und mittelgrossen Wirtschaftsunternehmen, Kultur und Service public fördern Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen. Der Bildungsraum Schweiz stellt die Qualität von Bildung, Lehre und Forschung ins Zentrum. Die damit verbundene Gleichwertigkeit der verschiedenen Institutionen sowie die Stärkung der Durchlässigkeit fördert die Chancengleichheit.

  • Das Hochschulgesetz muss so ausgestaltet werden, dass es zu einer verstärkten Kooperation von Bund und Kantonen kommt. Ziel ist die Schaffung eines einheitlichen gesamtschweizerischen Hochschul- und Forschungsraums.
  • Der Kredit zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation 2013 bis 2016 muss auf Hinblick auf die Stärkung des Forschungs- und Technologiestandorts Schweiz mit genügend Mitteln ausgestattet werden. Es braucht verbindliche Zusagen, die eine langfristige Planung ermöglichen.
  • Die Schweiz ist Teil des Bildungsraumes Europa. Engagements wie das europäische Rahmenprogramm für Forschung und Entwicklung sind weiterzuführen, sorgfältig zu evaluieren und die gemachten Erfahrungen zu nutzen.

Andy Tschümperlin

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