Stimmalter Null – für eine Politik am Küchentisch

29. August 2007 - Einige Gedanken von Nationalrat Andy Tschümperlin

Wie wäre es mit einer Familienpolitik, wo tatsächlich die ganze Familie etwas zu sagen hat? Ein Mensch – eine Stimme: Wo jedes Kind in unserer Demokratie das Stimmrecht hat.

Das Stimmalter Null würde der Familienpolitik im demografischen Wandel Rechnung tragen. Denn an der Urne würde diejenige Stimmkraft verstärkt, welche die Zukunft noch vor sich hat. Die Politik würde auf junge Familien verlagert, was einer überschlagsmässig gerechneten Umverteilung um 15% zugunsten der Familien entspricht.

Doch nicht nur an der Urne entwickelten sich die Resultate zugunsten der Zukunft. Auch die politische Ausbildung wird verbessert – weil sie am Küchentisch stattfindet. Die Kinder lernen, sich mit politischen Fragen auseinanderzusetzen, denn sie haben etwas zu sagen. Sie wollen und können dann mitbestimmen. Auch in der Primarschule ist so der Boden für Diskussionen politischer Art geebnet, nicht erst auf Mittelschulstufe, wo sie nur einigen wenigen vorbehalten sind.

Kinder und Junge sind aktive Mitbürgerinnen und -bürger: In Sportvereinen, Blauring, Jungwacht, Pfadi. Sie ministrieren, verkaufen WWF-Marken, Schoggitaler und räumen an Samstagen mit Naturschutzorganisationen Schutzgebiete auf. Das machen sie nicht, weil sie dazu aufgefordert werden, sondern weil sie es wollen. Weil sie für unsere Gesellschaft einen Beitrag leisten wollen. Den sie auch als aktive Stimmbürgerinnen und -bürger leisten könnten.

Bürgerpflichten, die heute mit 18 Jahren erst ausgeübt werden können, würden so schon früh erlernt und praktisch ausgeführt. Wie von Einbürgerungswilligen ebenfalls gefordert, lernen die Kinder den Aufbau, die Rechte und Pflichten unseres Staates kennen und wissen, wie diese anzuwenden sind. Es ist doch besser, fundierter staatsbürgerlicher Unterricht von Grund auf zu lernen, als erst mit 18 Jahren unvorbereitet der Polit-Propaganda ausgesetzt zu werden? Für unsere direkte Demokratie ist es nämlich überlebenswichtig, dass Kinder und Erwachsene lernen, sich kritisch mit Politik auseinanderzusetzen. Die vielgehörte Aussage «Ich interessiere mich nicht für Politik» ist für die Schweiz gefährlich und gleichzeitig das Ergebnis der jetzigen Situation.

Laut Artikel 12 der UNO-Konvention über die Rechte der Kinder, haben auch Kinder etwas zu sagen und das Recht angehört zu werden. Diese Konvention hat die Schweiz vor über 10 Jahren unterschrieben. Nun wäre es an der Zeit darüber zu diskutieren, wie diesem Artikel politisch Rechnung getragen werden kann. Darum findet am 26. September 2007 das 1. Schwyzer Kinderparlament im Kantonsratssaal statt. Eingeladen sind 60 Kinder, aus jeder Gemeinde eine Vertreterin und ein Vertreter. Wetten – dass die Kinder da etwas zu sagen haben?

Nationalrat
Andy Tschümperlin-Gamma
 

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