Billiger telefonieren und dafür Lehrstellen killen?

12. Oktober 1999 - Interpellation eingereicht

Sunrise, diax, Orange, Tele2 oder Swisscom? Die Wahl des Anbieters beschäftigt seit der Liberalisierung des Telecom-Marktes auch die Verwaltungen im ganzen Land. Die Schwyzer Verwaltung telefoniert für mehrere hunderttausend Franken im Jahr. Ein Sparpotenzial, das sicherlich kritisch hinterfragt werden wird.

Anderseits ist es für Jugendliche immer noch schwierig, eine geeignete Lehrstelle zu finden. Eine gute berufliche Ausbildung ist ein wichtiger Grundpfeiler in der Entwicklung eines jungen Menschen und eine Grundvoraussetzung für das spätere Berufsleben. Im Kanton Schwyz bilden aber nicht einmal die Hälfte der Firmen und Betriebe Lehrlinge aus. Neben den Firmen, die aus triftigen Gründen nicht ausbilden können, gibt es eine grosse Anzahl von Betrieben, die sich um ihre soziale Verantwortung drücken und die wichtige Aufgabe der Ausbildung von Jugendlichen auf andere Betriebe abschieben. Während die Swisscom gesamtschweizerisch 800 Lehrstellen anbietet, verzichten die neuen Konzessionäre diax, Sunrise und Orange praktisch vollständig auf Ausbildungs-anstrengungen und sparen dabei enorme Summen auf Kosten anderer.

Mit dem Lehrstellenbeschluss I stellte der Bund 60 Mio Franken für Massnahmen zur Verbesserung des Lehrstellenangebotes zur Verfügung. Davon entfielen 609'000 Franken auf den Kanton Schwyz. Mit diesem Betrag hat das Amt für Berufsbildung in sechs Teilprojekten an der Verbesserung der Lehrstellensituation gearbeitet. Es gäbe aber noch andere Ebenen, auf denen etwas getan werden könnte. So könnte der Regierungsrat bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen das Kriterium «Anbieten eines Ausbildungsplatzes» hoch gewichten.

In diesem Zusammenhang ersuchen wir den Regierungsrat, folgende Fragen zu beantworten:
 

  1. In der kantonalen Submissionsverordnung ist das Anbieten von Lehrstellen kein Kriterium zur Vergabe von öffentlichen Aufträgen. Wie stark gewichtet der Regierungsrat dieses?
  2. Falls der Regierungsrat dieses Kriterium weniger stark gewichtet als andere, welche Kriterien werden stärker gewichtet und warum?
  3. Ist der Regierungsrat bereit, das Kriterium «Anbieten einer Lehrstelle» in Zukunft höher zu gewichten und damit Betriebe zu unterstützen, die ihre soziale Verantwortung wahrnehmen? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, nach welchen Kriterien (Anzahl Lehrlinge im Vergleich zur Firmengrösse, Anteil schulisch Schwache usw.) gedenkt er dies zu tun?
  4. Berücksichtigt der Regierungsrat bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen auch andere Ausbildungsarten wie Anlehre, Vorlehre, Praktikum? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, nach welchen Gesichtspunkten?


KR Elvira Jäger, Lachen

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